Mit zunehmender Internationalisierung wächst auch die Komplexität der Vertriebsstrukturen eines Unternehmens. Produkte werden in unterschiedlichen Ländern und Regionen angeboten, über verschiedene Vertriebskanäle verkauft und teilweise an lokale Anforderungen angepasst.
Damit entstehen auch für Produktkonfiguratoren besondere Herausforderungen: Nicht jedes Produkt ist in jedem Markt verfügbar, Preise können variieren und auch Texte, Produktinformationen oder Konfigurationsmöglichkeiten müssen gegebenenfalls an den jeweiligen Markt angepasst werden.
Beispielsweise unterliegen Bauteile in unterschiedlichen Märkten unterschiedlichen Regelungen und Bedingungen. Ein Bauteil oder ein Feature darf in einem Land nur unter Mitgabe bestimmter lokaler Dokumente ausgeliefert werden. Gesetzliche Vorschriften bis hin zur Beachtung von Embargolisten müssen eingehalten werden. Die Herausforderungen an den gesamten Vertriebsprozess steigen immens und es verändern sich die Anforderungen an einen Produktkonfigurator: Nicht jede Produktvariante ist in jedem Markt verfügbar oder muss marktspezifisch angepasst werden. Preise und auch Texte oder Produktinformationen können variieren.
Wie lassen sich solche Unterschiede abbilden, ohne für jeden Markt eine eigene Produktstruktur pflegen zu müssen?
Unterschiedliche Märkte, unterschiedliche Anforderungen
Je stärker ein Unternehmen international aufgestellt ist, desto mehr Differenzierungen können notwendig werden. Märkte können großflächig, beispielsweise kontinental oder länderübergreifend, organisiert und anschließend weiter unterteilt werden. Innerhalb eines Landes können zusätzlich Regionen, Bundesländer oder einzelne Vertriebspartner berücksichtigt werden. So entstehen Marktstrukturen mit unterschiedlich vielen Hierarchieebenen.
Die Unterschiede können dabei verschiedene Bereiche betreffen:
- Produktverfügbarkeit: Produkte sind nicht in allen Märkten verfügbar.
- Vertriebskanäle: Händler greifen möglicherweise auf ein eingeschränktes Sortiment zu.
- Preise: Preise können sich zwischen Ländern, Regionen oder Händlern unterscheiden.
- Baubarkeiten: Bestimmte Varianten oder Baubarkeiten können je nach Markt abweichen.
- Inhalte: Texte und Produktinformationen können an lokale Anforderungen angepasst werden.
Je mehr Märkte und Vertriebspartner hinzukommen, desto aufwendiger wäre es, diese Unterschiede unabhängig voneinander zu verwalten.
Markthierarchien schaffen eine gemeinsame Struktur
Genau hier setzt die Markthierarchie im CREALIS® an. Sie bildet die Markt- und Vertriebsstruktur eines Unternehmens als hierarchische Baumstruktur ab. An der Spitze kann zum Beispiel das Produktportfolio des Unternehmens stehen — der Einfachheit halber als GLOBAL bezeichnet. Hier bilden sich alle standardisierten Abhängigkeiten ab, die die Varianz der angebotenen Produkte repräsentiert. Darunter können beispielsweise Regionen, Länder und Vertriebskanäle angeordnet werden. Ein möglicher Aufbau reicht damit von einer globalen Ebene über EMEA und DACH bis hin zu Deutschland, regionalen Vertriebsgebieten und einzelnen Händlern.
Nicht jede Ebene muss dabei direkt als eigener Markt genutzt werden. Übergeordnete Ebenen dienen vor allem dazu, gemeinsame Einstellungen strukturiert zu hinterlegen. Die tatsächlich verwendeten Märkte können auf unterschiedlichen Ebenen der Hierarchie liegen.
Einmal definieren, gezielt anpassen
Ein wesentlicher Vorteil der Hierarchie im CREALIS® besteht darin, dass Informationen nicht für jeden Markt separat gepflegt werden müssen. Ist beispielsweise ein Produkt für eine gesamte Region verfügbar, kann diese Gültigkeit auf der übergeordneten Ebene hinterlegt werden. Einzelne Länder oder Händler können anschließend davon ausgenommen werden, wenn dort andere Anforderungen gelten. Allgemeine Einstellungen werden damit vererbt und nur dort angepasst, wo eine Abweichung notwendig ist.
Das Prinzip lässt sich auch auf andere Daten anwenden. Texte, Preise, Produktkataloge und weitere Gültigkeiten können auf verschiedenen Hierarchiestufen gepflegt werden. So kann ein Hersteller beispielsweise einen allgemeinen Preis für einen Markt definieren und für einzelne Händler eigene Preise hinterlegen, wenn deren individuelle Margen oder Vertriebsbedingungen berücksichtigt werden sollen.
Produkte, Preise und Inhalte gezielt steuern
Die Markthierarchie im CREALIS® ermöglicht damit eine differenzierte Steuerung des Produktportfolios. Ein Unternehmen kann beispielsweise festlegen, dass ein bestimmtes Produkt grundsätzlich in einer Region verfügbar ist, für einzelne Länder jedoch nicht angeboten wird. Ebenso können unterschiedliche Produktvarianten oder Baubarkeiten für verschiedene Märkte definiert werden.
Auch Texte und Visualisierungen können abhängig vom ausgewählten Markt berücksichtigt werden. CREALIS® sucht dabei zunächst nach einer für den konkreten Markt hinterlegten Information und greift bei Bedarf auf Informationen übergeordneter Märkte zurück. Damit lassen sich globale Standards und lokale Besonderheiten miteinander verbinden.
Was passiert bei der Konfiguration?
Für den Anwender bleibt die dahinterliegende Komplexität weitgehend unsichtbar. Wählt ein Nutzer einen bestimmten Markt aus, berücksichtigt CREALIS® automatisch die dafür geltenden Einstellungen. Produkte, Varianten, Preise und Inhalte werden entsprechend der hinterlegten Marktlogik ausgewertet.
So kann beispielsweise ein Fahrzeughersteller für verschiedene Märkte unterschiedliche Baubarkeiten anbieten, ein Maschinenbauer unterschiedliche Produktvarianten je Region bereitstellen oder ein Händler nur das für ihn freigegebene Sortiment konfigurieren. Der Nutzer arbeitet damit immer mit den Informationen und Produkten, die für seinen ausgewählten Markt vorgesehen sind.
Der Nutzen für Unternehmen
Markthierarchien schaffen vor allem Struktur und Skalierbarkeit in komplexen internationalen Vertriebsorganisationen. Unternehmen profitieren unter anderem von:
- weniger redundanter Datenpflege
- zentral steuerbaren Produktinformationen
- flexibler Anpassung an Länder und Vertriebskanäle
- gezielter Preis- und Sortimentssteuerung
- einheitlichen Regeln bei gleichzeitig möglichen lokalen Abweichungen
- einer konsistenten Grundlage für internationale Konfigurationen
Gerade bei einer wachsenden Zahl von Ländern, Vertriebspartnern und Produktvarianten wird eine solche Struktur relevant. Statt für jeden Markt eine eigene Konfiguration aufzubauen, können gemeinsame Grundlagen zentral definiert und gezielt spezialisiert werden.
Fazit
Internationalisierung bringt unterschiedliche Märkte, Vertriebsstrukturen und Anforderungen mit sich. Ein Produktkonfigurator muss diese Unterschiede abbilden können, ohne dass die Pflege der Produktdaten unnötig komplex wird. Markthierarchien im CREALIS® schaffen dafür eine strukturierte Grundlage: Allgemeine Informationen und Regeln können zentral hinterlegt und auf spezifischeren Ebenen gezielt angepasst werden.
Damit schafft die Markthierarchie im CREALIS® eine wichtige Grundlage, um bei internationalen Vertriebsstrukturen und komplexen Produktportfolios gleichzeitig übersichtlich, flexibel und effizient zu bleiben.
